Dreieinhalb Monate Suche. Zweieinhalb Wochen Europareise
Zwei Jahre lang ist „Endgültige Ansagen“ entstanden. Danach folgten dreieinhalb Monate Suche nach einem Hersteller, der meine Vorstellungen für die Limited Edition umsetzen kann. Ein besonderes Format, rotes Leinen, Schutzumschlag, farbige Vorsatzseiten, Leseband, zusätzliche Ansagen und all die kleinen Details, durch die aus einer Idee endlich etwas wird, das man in den Händen halten kann.
Irgendwann fand ich diesen Hersteller in England. Ich setzte die gesamte Ausgabe auf, gestaltete sämtliche Grafiken, erfüllte die technischen Vorgaben und bestellte das erste Probeexemplar. Zweieinhalb Wochen war es unterwegs. Zwichendurch lag es in Belgien und machte dort offenbar ein ausgedehntes Picknick. Vielleicht betrachtete es Kühe. Vielleicht verarbeitete es den Brexit. Seine Reise schien jedenfalls derart bedeutend zu sein, dass gewöhnliche Transportzeiten unangemessen wären.
Irgendwann wird es bei mir eintreffen, sagte ich mir. Dann werde ich es auspacken, jede Einzelheit prüfen und hoffentlich genau die Limited Edition vor mir haben, die seit Monaten in meinem Kopf existiert. Sobald alles stimmt, bestelle ich die hundert Exemplare. Danach beginnt endlich der Teil, auf den ich mich am meisten freue: nummerieren, signieren, verpacken und verschicken. Bis dahin führte mein Probeexemplar sein geheimnisvolles Leben in Belgien, während ich hier saß und auf den verdammten Paketboten wartete.
Und dann kam dieser Paketbote tatsächlich. Das Probeexemplar hatte seine europäische Bildungsreise beendet und lag endlich vor mir. Ich packte es aus, nahm es in die Hände und prüfte alles, worüber ich mir monatelang Gedanken gemacht hatte: das rote Leinen, den Schutzumschlag, die Vorsatzseiten, das Leseband, den Druck, die Farben, das Format und jedes kleine Detail. Die Ausstattung sah genauso aus, wie sie seit Monaten in meinem Kopf existiert hatte. Bis ich Seite 130 erreichte.
Dort hatte sich eine leere Seite eingeschmuggelt und damit die gesamte Abfolge der linken und rechten Buchseiten versetzt. Jeder nachfolgende Text stand plötzlich auf der jeweils falschen Seite. Zwei Jahre Arbeit, dreieinhalb Monate Herstellersuche und eine ausgedehnte Europareise, nur damit eine einzelne leere Seite auf den letzten Metern noch einmal die Statik des Universums prüfen konnte. Immerhin erfüllte das Probeexemplar damit seinen eigentlichen Zweck: Es entdeckte den Fehler, bevor er sich hundertfach vermehren durfte.
Ich entfernte die leere Seite, stellte die richtige Seitenfolge wieder her, prüfte den gesamten Innenteil erneut und übermittelte die korrigierten Druckdaten. Danach habe ich getan, worauf diese gesamte Odyssee hinauslief: Ich habe hundert Exemplare bestellt.
Einhundert Limited Editions von „Endgültige Ansagen“, mit rotem Leinen, Schutzumschlag, farbigen Vorsatzseiten, Leseband und den zusätzlichen Ansagen. Der eigentliche Klick auf den Bestellknopf dauerte wenige Sekunden. Dahinter standen zwei Jahre Arbeit, dreieinhalb Monate Herstellersuche, unzählige technische Vorgaben, Grafiken, Korrekturen und eine einzelne Ausgabe mit einer ausgeprägten Vorliebe für belgische Landschaften.
Jetzt warte ich wieder. Dieses Mal auf die gesamte Auflage. Irgendwo werden gerade hundert Exemplare hergestellt, gebunden, geprüft, verpackt und anschließend auf den Weg zu mir geschickt. Sobald sie eintreffen, beginnt der letzte Teil dieser Geschichte: Jedes Exemplar bekommt seine Nummer, meine Signatur und seine endgültige Verpackung. Danach gehen die ersten Limited Editions zu den Menschen, die sie bestellt haben und ebenfalls seit Wochen darauf warten.
Die Vorfreude ist inzwischen erheblich. Bald stehen hier hundert Bücher, die vor wenigen Monaten lediglich als ziemlich genaue Vorstellung in meinem Kopf existierten. Vermutlich gönnt sich auch diese Sendung unterwegs einen kleinen Urlaub. Bei hundert Exemplaren braucht Belgien allerdings deutlich mehr Kühe.